STERBEGELD – JUDITH WINTER

STERBEGELD


STERBEGELD - JUDITH WINTER

>Mach die Augen auf!<<

Nein. Ich will nicht.

Ich KANN nicht.

Der kalte Lauf der Waffe in ihrem Rücken belehrt sie eines Besseren.

Noch gibt es den Hauch einer Chance.

Für ihre Familie. Für sie selbst.

>Und jetzt lächle!<<

Ein psychopathischer Mörder im Haus einer jungen Familie. Vier Leben am seidenen Faden. Doch die Polizeibeamten kommen zu spät.

Der dritte Fall für Emilia Capelli und Mai Zhou – ihre persönlichste Herausforderung.


 

Titel: Sterbegeld

Autor: Judith Winter

Verlag: dtv

Erscheinungsdatum: 2015

Genre: Kriminalroman


DSCF5333

Rezension:

Ermittlerin Emilia Capelli und ihre Partnerin Mai Zhou müssen sich zeitgleich mit der Klärung von zwei rätselhaften Mordfällen auseinandersetzen.

Erst der misteriöse Mord an einer jungen Bilderbuchfamilie die scheinbar ein perfektes Leben geführt hat, die keine Feinde hatte und niemand kann sich vorstellen warum jemand ausgerechnet dieser Familie so etwas schreckliches antun würde.

Kurz darauf wird auch noch ihr Ermittlerkollege auf rätselhafte Weise, während eines Einsatzes, erschossen.

Der Täter wird von höherer Stelle in den eigenen Reihen vermutet und Cappelli und Zhou müssen gegen ihre eigenen Kollegen ermitteln, langjährige Freunde und Arbeitskollegen stehen im Verdacht und jeder von ihnen könnte der Täter sein. Niemand darf erfahren das die beiden Kolleginnen auf ihr eigenes Team angesetzt werden.

 Capelli und Zhou müssen alles in Frage stellen was sie bisher über ihre Kollegen wussten, kennen sie sie wirklich? Steckt hinter bestimmten Worten eine bestimmte Bedeutung? Wem kann man in dieser Situation überhaupt noch trauen und sind vermeindliche Freunde wirklich jemals Freunde gewesen?

Die beiden Ermittlerin sehen sich ihrer größten persönlichen Herausforderung gegenüber und je weiter sie ermitteln, je mehr Fragen müssen beantwortet werden und nichts scheint wirklich einen Sinn zu ergeben. Die beiden Fälle verlangen den Frauen mehr ab, als sie sich je hätten vorstellen können…

 


 

DSCF5338

Mein Fazit:

Sterbegeld beginnt ziemlich spannungsgeladen und man findet sich direkt mitten im Geschehen wieder. Durch die Tatsache, dass 2 Fälle parallel aufgeklärt werden müssen, steigt das Spannungsbarometer im Laufe des Buches weiter an. Gefällt mir!

Die Protagonisten hätte man nicht besser aussuchen können. In erster Linie sind da natürlich das Ermittlerteam Capelli und Zhou, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die beiden Ladys sind wie Feuer und Wasser und genau durch ihre Gegensätze harmonieren sie  wunderbar miteinander und haben mir an einigen Stellen ein schmunzeln entlockt. Ihren Chef Makarov habe ich ebenfalls ziemlich schnell in mein Herz geschlossen, denn er ist amüsant, herrlich launisch und unheimlich sympathisch. Allerdings überzeugen nicht nur die beiden Ermittlerinnen und ihr Chef, sondern jede einzelne Person wird für meine Begriffe richtig realistisch rübergebracht, mit all ihren Facetten, Eigenheiten und ihrer ganz eigenen Geschichte.

Die Dialoge sind mehr als passend und absolut authentisch.

Der Aufbau der Story ist der Autorin im Großen und Ganzen recht gut gelungen und ich habe bis kurz vor Schluss gerätselt, wer sowohl der eine, als auch der andere Täter sein könnten. Ich hatte keinen Schimmer und genau das gefällt mir daran, denn es gibt doch nichts langweiligeres, als wenn der Leser sofort bescheid weiß, das schadet einfach nur der Spannung und ich möchte gefesselt und gerne auch verwirrt werden, um das Interesse an einem guten Kriminalroman nicht zu verlieren. Judith Winter ist das mit Sterbegeld mehr als gelungen.

Das Cover finde ich super. Schön dunkel (passt eigentlich immer in diesem Genre), schöne Details und es lässt nichts von dem erahnen, was drin stecken könnte. Aus dem Hirschkäfer werde ich nach wie vor nicht schlau und ich habe keine Ahnung wofür genau er stehen soll, welche Verbindung oder welchen Sinn er haben soll oder was er mit einem der Fälle zu tun haben könnte. Vielleicht muss ich das auch gar nicht, ein wenig fuchsen tut mich meine Unwissenheit trotzdem. Ich habe zwar eine Idee, aber die könnte auch weit hergeholt sein, denn der Hirschkäfer kämpft um ein Weibchen, indem er das andere Männchen z.Bspl. von einem Ast stößt um die Gunst des Weibchens ganz alleine für sich beanspruchen zu können, da gäbe es dann eine kleine parallele zum Verdächtigen Bormann…

Der Titel ist meiner Meinung nach nur halb gut gewählt, denn auf den einen Fall passt er wie die Faust aufs Auge, auf den anderen wiederum eher weniger. Da für mich der Fall des getöteten Sonderermittlers ein bisschen mehr im Vordergrund steht, passt der Titel unterm Strich aber ganz gut.

Einen kleinen Dämpfer hat meine Begeisterung für dieses Buch bekommen, denn mit dem Ende bin ich nicht ganz glücklich. Irgendwie fehlt mir da was, zum Beispiel hätte ich gerne gewusst wie die Strafe der beiden Täter ausgesehen hätte und auch was aus dem Straßenkünstler Jonah und der faszinierender Iris Molder geworden ist. Vielleicht gibt es ja ein Widersehen in einem der nächsten Bände, ich würde mich jedenfalls sehr freuen.

Da Sterbegeld mein erstes Buch von Judith Winter und ihrer Reihe um Ermittlerin Capelli ist, kann ich nur sagen ich bin neugierig auf die beiden Vorgänger geworden und ich lasse mich gerne dazu verleiten auch den folgenden Fällen meine Aufmerksamkeit zu schenken. Um den 3.Band der Capelli Reihe zu verstehen, muss man die Vorgänger auf jeden Fall nicht gelesen haben, aber es würde für Hintergrundwissen zu bestimmten Personen sicher nicht schaden.

Was unbedingt noch erwähnt werden sollte, ist die tolle Auswahl an sinnvollen Zitaten, die die Autorin zu Beginn jedes Kapitels ausgewählt hat. Schlicht weg stimmig und so wahr. Ich liebe jedes einzelne.

Alles in allem ist Sterbegeld ein gelungener Kriminalroman mit einem unschlagbar sympathischen Ermittlerduo, tollen Charakteren und einer spannenden Story.

 


DSCF5382

Meine Lieblingszitate aus STERBEGELD:

>>Wir sind oft viel schneller bereit, etwas zu übersehen, wenn wir insgeheim fürchten, dass wir den Verdacht gegen eine bestimmte Person nur allzu gern annehmen würden, weil dadurch jemand anderer, der uns vielleicht nähersteht, entlastet wird.<<

 

Es ist schwer, auf einem bereits eingeschlagenen Weg die Richtung zu ändern …

 

>>Hin und wieder ändern sich die Dinge, selbst dann, wenn sie schon lange sind, wie sie sind …<<

 

Es war etwa drei Uhr in der Frühe.

Die Stunden rund um Mitternacht fühlten sich grundlegend anders an. Sie rochen anders. Schmeckten anders. Klangen anders. Sie waren geprägt vom Leben jener Gestalten, die nicht nach Hause fanden. Weil sie nicht nach Hause finden wollten. Weil sie dort nicht von dem Richtigen erwartet wurden. Oder weil sie gar kein Zuhause besaßen, in das sie zurückkehren konnten. Es waren die Stunden, in denen der Alkoholpegel am höchsten war, die Schläge am härtesten und die Worte so aufrichtig wie zu keiner anderen Zeit des Tages. Die Stunden, in denen die Emotionen Achterbahn fuhren und die Verlorenen sich mit vereinten Kräften dem nahenden Morgen entgegenstemmten.

Doch dann, in jeder Nacht aufs Neue, war er plötzlich da, jener magische Moment, in dem die Stimmung kippte. In dem der Lärm verklang und die Wut der Einsamkeit Platz machte.

Drei Uhr früh …

 

>>Meine Generation hatte keine Zeit, sich Gedanken zu machen, ob die Kinder durch die Doppelbelastung irgendeinen psychischen Schaden nehmen. Und wir hatten auch keine Zeit, Pausenbrote in Blümchenform zu schnippeln, damit es den jungen Herrschaften auch ja mundet. Bei uns wurde gegessen, was auf den Tisch kam. Und wem das nicht passte, der ging eben auch mal hungrig ins Bett. In einer Nacht ist noch keiner verhungert. Und wenn Kinder richtig Hunger haben, dann schmeckt ihnen plötzlich auch Gemüse.<<

Advertisements

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s