KIFFEN UND KRIMINALITÄT Der Jugendrichter zieht Bilanz – ANDREAS MÜLLER

KIFFEN UND KRIMINALITÄT - ANDREAS MÜLLER

KIFFEN IST NICHT KRIMINELL

Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland konsumieren regelmäßig Cannabis. Sie alle müssen mit der Angst vor strafrechtlicher Verfolgung und sozialer Stigmatisierung leben.

Der bekannte Jugendrichter Andreas Müller zeigt aufrüttelnd, welche gravierenden Folgen das Verbot der Droge hat und warum damit endlich Schluss sein muss. Legalisierung heißt Schutz, besonders auch für Jugendliche, davon ist Müller überzeugt.


Titel: KIFFEN UND KRIMINALITÄT

Autor: Andreas Müller

Verlag: HERDER

Erscheinungsdatum: 2015

Genre: Sachbuch


Rezension:

Jugendrichter Andreas Müller setzt sich für die Legalisierung von Cannabis ein.

In seinem Buch geht er intensiv auf die Cannabisthematik ein und räumt mit Vorurteilen auf.

Er hat unter anderem autobiografisch geschrieben, er hat über Jahre recherchiert und das Endergebnis ist ein Buch, welches ganz klar aufzeigt wie sinnlos die Kriminalisierung letztendlich ist, wie unsere Politik nach wie vor mit Klischees um sich wirft und es somit selbst schwer kranken Menschen unmöglich macht, ihr Leiden zu lindern, er geht sowohl auf geschichtliche, gesetzliche, als auch auf menschliche Punkte ein und wirft einen Blick in unsere Nachbarländer um aufzuzeigen, wie andere Länder mit Cannabis umgehen, er zeigt Möglichkeiten auf, wie eine Legalisierung und Regulierung von Cannabis in Deutschland aussehen könnte, welche Vorteile es bringen würde und über allem steht ganz klar das Thema Jugendschutz.


Mein Fazit:

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, das es bei diesem Buch weder um Drogenverherrlichung, noch um Verharmlosung von Drogen geht.

Das Andreas Müller für die Legalisierung von Cannabis ist, steht ausser Frage, die Art wie er sich mit diesem Thema auseinandersetzt, hat Hand und Fuß. Es geht nicht darum das alle Deutschen jetzt mit dem Kiffen anfangen sollen, sondern einfach nur um einen vernünftigen Umgang mit der von der Natur gegebenen Heilpflanze Cannabis. Um die Möglichkeit, kranken Menschen Linderung zu verschaffen ohne das sie sich strafbar machen müssen. Um die Tatsache, wie die Kriminalisierung aus ganz normalen Menschen die einfach ab und zu mal einen Joint rauchen oder einen Tee trinken, zu Kriminellen gemacht werden und es zeigt auch ganz klar auf, wie wichtig auch bei einer Legalisierung der Jugendschutz ist und bleibt, denn die jungen Menschen unserer Gesellschaft zu schützen hat für ihn eindeutig die höchste Priorität.

Dieses Buch sollte von jedem gelesen werden, nicht nur von Konsumenten und Befürworten, sondern vor allem von Legalisierungsgegnern, von Eltern, von Jugendlichen und von jedem der eigentlich nichts über Cannabis weiß, denn hier bleiben keine Fragen offen.

Mit Hilfe dieser Lektüre sollte endlich mal ein wenig Bewegung in unsere Politik kommen, denn es ist einfach nur unverständlich und unmenschlich wie das Leben den Menschen schwer gemacht wird, wie die Kapazitäten unseres Staatsapparates verschwendet werden, obwohl sie an anderen Stellen so dringend gebraucht werden.

Wer so sinnlose Parolen wie >>Gebt das Hanf frei<< oder >>Kiffen für alle<< erwartet, wird überrascht sein, denn davon ist Andreas Müller mit diesem Buch weit entfernt.

  Es ist an der Zeit verantwortungsvoll und ehrlich mit dem Thema Cannabis umzugehen und wenn ein Erwachsener Mensch sich dafür entscheidet ab und an einen Joint wegzuschmöken, ja verdammt, dann lasst ihn doch, er ist alt genug, er tut keinem damit weh und wenn er nicht gerade bekifft ins Auto steigt und jeden Tag seinem  Leben nach geht und bei einer Legalisierung auch noch Geld in die Kassen bringt, was ist dann so schlimm daran?

Ich bin unglaublich froh das auch das Thema Alkohol in diesem Zusammenhang aufgegriffen wird, denn das eine sollte ohne das andere nicht erwähnt werden. Ich selber sehe schon mein Leben lang was Alkohol mit Menschen macht und wie weit die Mehrheit dort von einem verantwortungsvollem Umgang entfernt ist und das Ganze ist vollkommen legal, umso unverständlicher wie ungerecht Alkohol und Cannabiskonsum gegenüber gesetzt werden, wie Menschen wegen Cannabiskonsum ihren Lappen und auch ihren Job verlieren, unabhängig davon das sie weder bekifft arbeiten gegangen sind, noch bekifft am Steuer saßen. Wie kann es sein das Menschen als verantwortungsbewusst gelten die sich regelmässig die Birne zu schütten und im besten Fall in Schlägereien verwickelt werden oder besoffen Autofahren und in der Gesellschaft trotzdem anerkannt sind und häufig für ihre Abstürze auch noch gefeiert werden?

Ich danke Andreas Müller für dieses Buch, von ganzem Herzen. Ich finde es unglaublich wertvoll, das sich ausgerechnet ein Richter (und neben ihm auch viele andere wichtige Persönlichkeiten und Experten) für die Legalisierung von Cannabis einsetzt und vor allem das er es auf diese Art und Weise tut, denn hier stellt sich kein kleiner Kiffer hin und wirft einfach mit drogenverherrlichenden Aussagen um sich, sondern ein gestandener Mann, ein Jugendrichter der weiß wovon er spricht, dem es unglaublich wichtig ist unsere Jugend zu schützen und der jeden Tag sieht und am eigenen Leib erfahren hat, was die Kriminalisierung für Auswirkungen auf ein ganzes Leben hat, welches eigentlich völlig normal hätte verlaufen können, wenn man nicht so stigmatisiert würde.

Ich hoffe das endlich mal ein Umdenken in unserer Gesellschaft und vor allem in den Köpfen der Politiker stattfindet, denn wie kann man denn Nachts noch gut schlafen, wenn man weiß das es Menschen gibt, die unglaubliche Qualen leiden, denen so einfach geholfen werden könnte und man sich einfach, weil man es kann, dagegen stellt. Das ist in Unmenschlichkeit kaum zu übertreffen und wenn man es den Konsumenten weiterhin verbieten will, dann sollte man doch wenigstens endlich mal was für die Kranken tun und das am besten vorgestern.

Ich kann nur sagen: lest dieses Buch, lasst es auf euch wirken und dann überlegt nochmal, was wirklich für eine Legalisierung spricht und was dagegen.


 

Meine liebsten und vor allem auch enorm wichtigen Zitate aus KIFFEN UND KRIMINALITÄT :

(ich habe mich schon enorm eingeschränkt und doch sind noch sehr viele übrig die zu erwähnenswert sind um sie einfach wegzulassen…) :

Drogenkonsum im Allgemeinen und Cannabiskonsum im Speziellen sind weniger ein juristisches als viel mehr ein gesellschaftliches und gesundheitspolitisches Problem. Deshalb sollten sie auch primär auf der gesellschaftlichen Ebene angegangen werden, bevor wir uns ihnen auf strafrechtlichem Gebiet widmen.

Wie oft hätte ich gerne mit den mir anvertrauten jungen Menschen über meine eigenen Erfahrungen geredet, und wie oft hätte ich dadurch auch als Richter ein gutes Stück glaubwürdiger sein können. Wie oft hätte ich durch so ein Gespräch vielleicht früher erkennen können, ob die Jugendlichen tatsächlich ein Suchtproblem haben oder einfach nur aus Lust und Freude konsumieren. Dieses mir und anderen durch die Gesellschaft auferlegte Schweigen, das eine Verlogenheit der ganzen Gesellschaft ist, gilt es zu durchbrechen. Menschen müssen und sollen offen zumindest über ihre eigene Jugend berichten dürfen. Das ist ein Teil eines ehrlichen Umgangs und trägt dazu bei, Suchtverhalten früher erkennen zu können.

Mit Cannabis verantwortlich umzugehen, ist wesentlich einfacher als mit Alkohol.

Ich möchte nicht auf den Einsatz von Cannabis bei einer eventuellen Krebstherapie verzichten müssen, weil ich mich damit strafbar mache. Auch möchte ich entscheiden können, ob ich in einer Depressionsphase starke Psychopharmaka nehme oder Cannabis konsumiere. Und das möchte ich nicht davon abhängig machen müssen, ob mir ein Arzt erst eine diesbezügliche Bescheinigung ausstellt.

Die Kriminalisierung schafft ohne jeden Sinn und Zweck Opfer um Opfer, zerstört mehr Leben, als es eine so milde Droge wie Cannabis jemals schaffen könnte.

Konsumiert jemand an der überwiegenden Zahl der Wochentage Cannabis, gilt er, unabhängig von der Frage, ob er bekifft am Steuer gesessen hat oder nicht, als generell ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen, und man entzieht ihm die Fahrerlaubnis. Zur Wiedererlangung muss anschließend nicht nur eine einjährige Abstinenz von Cannabis nachgewiesen werden, sondern es muss ein dauerhafter Drogenverzicht glaubhaft gemacht werden.

Unschwer zu erkennen, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Es käme wohl niemand auf die Idee, Autofahrern vorsorglich Fahruntüchtigkeit zu attestieren, weil sie gelegentlich einen über den Durst trinken. Selbst hartgesottene Trinker dürfen saufen, so viel sie wollen, der Führerschein bleibt ihnen in der Regel erhalten, bis sie sich mit Alkohol am Steuer erwischen lassen.

Die Rechtsprechung im Bezug auf Cannabis im Straßenverkehr ist allerdings noch viel wahnwitziger; sie kippt via Verwaltungsrecht die Unschuldsvermutung, die landläufig jeder aus dem Strafrecht kennt, ins Gegenteil. Konkret: Wird ein Verkehrsteilnehmer mit einer geringen Menge Cannabis, die er im Auto mit sich führt, erwischt, heißt diese Tatsache für den Staat, dass er es mit einem Drogenkonsumenten und damit potenziell fahruntüchtigen Menschen zu tun hat. Die Beweislast, ob tatsächlich regelmäßig konsumiert wird oder nicht, liegt beim erwischten Autofahrer. Was hier passiert, können sie sich so vergegenwärtigen:

Sie kommen gerade aus dem Supermarkt und haben alkoholische Getränke für die Party am Wochenende eingekauft. Sie werden von der Polizei angehalten, der Beamte fordert sie auf, den Kofferraum zu öffnen und findet dort drei Kisten Bier sowie einige Flaschen Spirituosen und noch zehn Flaschen Rotwein. Sie selbst sind im Moment der Kontrolle natürlich komplett nüchtern, denn sie kämen gar nicht auf die Idee, angetrunken Auto zu fahren, müssen aber irgendwie die Vorräte für die Party nach Hause schaffen. Wäre die Rechtsprechung vergleichbar mit der Vorgehensweise bei Cannabis, würde der Staat aus diesem Fund erheblicher Mengen Alkohol schließen, dass sie ein massives Alkoholproblem haben und wohl kaum geeignet sind, ein Fahrzeug zu führen. Auch wenn sie im Moment der Kontrolle nachweisbar 0,0 Promille haben. Und nicht nur das, sie müssen beweisen, dass sie kein harter Säufer sind, und bis ihnen das gelungen ist, geht der Staat erst mal genau hiervon aus.

Die schlimmste Nebenwirkung der Kriminalisierung von Cannabis ist die Kriminalisierung selbst.

Gern wird von Seiten der Prohibitionisten auch unter den Tisch fallengelassen, was Dirk Hermann in seinem Bericht zum >>Alternativen Suchtbericht<< noch einmal deutlich macht:

Für die Entwicklung einer Psychose durch Cannabiskonsum, die außerordentlich selten ist, ist das Alter des Konsumenten bei Beginn des Konsums entscheidend. Denn in der Tat kann Cannabis einem noch nicht ausentwickelten Gehirn gefährlich werden und zu >>neuropsychologischen Defiziten<< führen – nicht aber im Erwachsenenalter.

Wie kann es sein, dass wir eine Droge kriminalisieren, die nach allen seriösen Betrachtungen doch weit weniger Schäden hervorruft als eine andere, die nicht nur legal, sondern auch vollkommen akzeptiert ist?

Wieso bagatellisieren wir Alkoholsucht, machen aber aus jedem kleinen Kiffer einen Kriminellen, der eine Bedrohung für diese Gesellschaft darstellt?

Wenn wir eine ernsthafte Diskussion über das Für und Wieder einer Legalisierung von Cannabis führen, gehört das Thema Alkohol elementar dazu. Das hat auch etwas mit dem Komplex Prävention, Suchtberatung und -therapie zu tun. (…)

Der erste Alkoholrausch ist immer noch so etwas wie ein soziales Initiationsritual. Die Stories von diesem Absturz werden dann noch auf eine Weise bis ins hohe Alter erzählt, wie Opa früher vom Krieg erzählte: mit Stolz, einem wohligen Schaudern und in dem Bewusstsein, dass es sich um eine wertvolle Erfahrung handelt, auf die niemand in seinem Leben verzichtet haben sollte. Das ist einer der entscheidenden Punkte: Über Alkohol wird gesprochen. Und wenn es gut läuft, die familiären Strukturen in Ordnung sind, wird nicht nur nachsichtig über den ersten Absturz gelächelt, sondern man spricht auch über die Gefahren und den überlegten Umgang mit Alkohol.

Ganz anders beim Thema Cannabis. Die Kriminalisierung der Droge macht in vielen Familien ein Gespräch darüber fast unmöglich, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Zunächst einmal sprechen die Jugendlichen gar nicht erst darüber, wenn sie zum ersten Mal einen Joint probiert haben (…) Daraus ergibt sich die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Joint (oder der nächste, oder der übernächste) per Zufall von den Eltern bemerkt wird und die Reaktion entsprechend ausfällt: Vorwürfe, nicht nur wegen der Droge, sondern auch gleich noch wegen der Lüge und des fehlenden Vertrauens.

Wenn der Joint dann entdeckt wurde, so sollte man meinen, kommt die Kommunikation endlich in die Gänge. Nur: wie sehen diese Gespräche in der Regel aus? Die Eltern sind häufig überfordert, weil sie sich mit dem Thema nicht auskennen. Alle Informationen die sie über Cannabis haben, beruhen auf den immer gleichen Mythen und Erzählungen, die von großen Medien, führenden >>Suchtexperten<< und anderen besorgten Eltern aus der Gerüchteküche weitergegeben werden. (…)

Dieses gefährliche Halbwissen führt zu Vorwürfen, die ein sinnvolles Gespräch über den Fakt, dass da ein oder zwei Mal ein Joint geraucht wurde, quasi unmöglich machen. Das Resultat ist ein gestörter Familienfrieden sowie die hohe Wahrscheinlichkeit, dass der fortwährende Cannabisgebrauch heimlich geschieht.

Das Verbot befördert den Schwarzmarkt. Statt durch die Strafbewehrung des Drogenkonsums die Kriminalitätsrate zu senken, wird diese stark erhöht, da der Konsum, statt zu sinken, einfach nur in die Illegalität abwandert. Darüber hinaus wird die Qualität des im Umlauf befindlichen Stoffs unkontrollierbar und sorgt für Krankheits- und Todesfälle. (…)

Natürlich haben alle Prohibitionisten vordergründig immer nur hehre Ziele: Sie wollen die Gesundheit der Menschen schützen, Kriminalität verhindern und die Welt ein Stück drogenfreier machen. In Wirklichkeit schädigen sie die Gesundheit der Menschen, schaffen neue Kriminalität und sorgen dafür, dass der Drogenmissbrauch steigt.

Denn leider verkennen sie dabei das Wesen des Menschen vollkommen. Sollten die Prohibitionisten Anfang des 20.Jahrhunderts noch dem naiven Glauben angehangen haben, dass man den Menschen durch Repressalien und Verbote zu etwas zwingen kann, sollte man inzwischen doch dazugelernt haben: Man kann an der Natur des Menschen nicht vorbeiorganisieren. Und Süchte gehören da nun einmal dazu.

Neben der mittlerweile etablierten Indikation bei entzündlichen Prozessen wie Multipler Sklerose und Krebserkrankungen sind etliche weitere Einsatzgebiete denkbar. Krankheiten, bei denen THC alleine oder in Zusammenhang mit anderen Medikamenten nachgewiesen positive, schmerzlindernde oder sogar heilende Effekte erzielt, sind beispielsweise auch: AIDS, Grüner Star, Epilepsie, Migräne, Rheuma, diverse Magen-Darm-Erkrankungen wie Reizdarm, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Hepatitis C, Alzheimer, Entzündungen und Allergien, Asthma, Glaukom, Diabetes, Tinnitus und Parkinson und das Tourette-Syndrom.

In jüngster Zeit liegen Erfahrungswerte für eine erfolgreiche Behandlung auch bei Fibromyalgiesyndrom, Phantomschmerzen oder dauerhaften Rückenschmerzen vor. Unabhängig von der konkreten Krankheit ist Cannabis ein natürliches Schmerzmittel bei akuten oder auch chronischen Schmerzen. Es stellt eine nebenwirkungsarme Alternative zu anderen Medikamenten dar, insbesondere bei Kontraindikation, das heißt, Unverträglichkeit gegenüber einem chemischen Wirkstoff. Ob eine Therapie bzw. Therapieunterstützung erfolgreich anschlägt, ist recht schnell erkennbar. (…) Natürlich ist auch Cannabis nicht das Allheilmittel für jedermann und jedes Gebrechen, aber es sollte mit längst überfälliger Selbstverständlichkeit in die Behandlung integriert werden können.

Es ist erwiesen, dass die Behandlung mit synthetisch hergestelltem oder aufbereitetem THC bei einigen Patienten schlechtere Ergebnisse bringt als die mit kostengünstigem, echtem Cannabis. Sowohl das Gesundheitsministerium als auch das BfArM behaupten, die Wirksamkeit der künstlichen Stoffe sei der von natürlichem Cannabis gleichzusetzen. Es existieren jedoch neben persönlichen Erfahrungsberichten von Patienten auch Studien, die das Gegenteil aufzeigen. Der Grund scheint darin zu liegen, dass etwa bei dem synthetischen Präparat Sativex nur zwei bestimmte Stoffe extrahiert werden, die zur Behandlung eingesetzt werden, während in natürlichem Cannabis eine ganze Menge weiterer Stoffe, nämlich mehr als 100 verschiedene Cannabinoide, enthalten sind, die ebenfalls zur heilenden Wirkung beitragen.

Selbst das Ansinnen, sterbenden Menschen mit großen Schmerzen die harmlose Anwendung von Cannabis zur Linderung zu genehmigen, wurde rundheraus abgelehnt. Was für eine menschenverachtende Vorgehensweise!

Nach wie vor ist es aufgrund der Bestimmungen des BtMG nicht möglich, selbst Pflanzen zu ziehen, um eine Eigentherapie in ärztlicher Begleitung durchzuführen. Dies möglich zu machen, ist eines der Ziele der Legalisierung und Entkriminalisierung.

Solange sich in diesem Bereich nichts tut, macht sich immer noch jeder strafbar, der seine Schmerzen eigenmächtig und nach persönlichem Ermessen lindern möchte. Neben dem Thema der Schmerzpatienten, denen Linderung verschafft werden könnte, ist es zudem ein Unding, dass jemand, der unter Depressionen leidet, immer noch gezwungen ist, teure Chemie in seinen Körper zu pumpen, anstatt die Möglichkeit zu haben, sich ein paar Cannabispflanzen in den Garten zu setzen, sie zu ernten und abends einen Tee damit anzusetzen, um für ein wenig Ruhe im Kopf zu sorgen. Wie soll ein klar denkender Mensch diese verlogene, ideologische Drogenpolitik in diesem Land ertragen, ohne daran zu verzweifeln?

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen. Das Gericht hat in einer Eindeutigkeit, die nichts zu wünschen übrig lässt, festgestellt, dass der Staat Zugang zu Cannabis für medizinische Zwecke zu gewähren hat. Die Politik hat nichts besseres zu tun, als dieses Urteil unter den Tisch fallen zu lassen, um ihre ideologischen Standpunkte nicht aufgeben zu müssen. Es ist wichtiger, dass irgendwelche Drogenbeauftragten ihr Gesicht wahren können, als Menschen zu helfen, die Schmerzen erleiden. Und deren Linderung zumal so einfach zu erreichen wäre.

Das Urteil des Kölner Verwaltungsgerichtes formuliert es unmissverständlich:

Der Verweis auf ein Arzneimittel, das weder ohne weiteres verfügbar noch für den normalen Bürger erschwinglich ist, stellt keine Alternative dar, die das öffentliche Interesse am Einsatz von Cannabis zur Krankheitsbekämpfung entfallen lässt.

(…) Mit diesem Urteil gerät die Bundesregierung unter Zugzwang, wird doch hier bekräftigt und ausgebaut, was eigentlich schon seit 2005 erlaubt ist, bisher jedoch geflissentlich ignoriert wurde: Die grundsätzliche Genehmigung zum Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken. >>Grundsätzlich<< bedeutet jedoch nicht, dass Cannabis nun ohne weiteres im Heimanbau gezogen und konsumiert werden darf. Erst nach positivem Bescheid eines Eigenanbauantrages darf man auf legale Weise zur Selbstmedikamentierung schreiten. Und dieser Schritt ist leider immer noch nicht möglich, da das BfArM gegen das Urteil aus Köln in Berufung gegangen ist. Bis zu einer höchstrichterlichen Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts wird noch eine ganze Zeit ins Land gehen. Währenddessen werden – verfassungswidrig – kranken Menschen ihre dringend benötigten Substanzen durch deutsche Behörden vorenthalten werden.

Leider muss ich nach meiner Recherche feststellen, dass Menschen unnötige Schmerzen leiden müssen und um erfolgversprechende Behandlungsmethoden gebracht werden, weil eine unfähige Politik mit ihren sogenannten Drogenbeauftragten an der Spitze nicht in der Lage ist, ein Thema wie Cannabis differenziert zu betrachten. Man macht es sich leicht, indem man kriminalisiert, und missachtet damit den eigenen Schwur, sich für das Wohl der Bevölkerung einzusetzen. Anders kann ich das nach reiflicher Überlegung nicht formulieren.

Denn der Anbau von Cannabis als Medizin durch Patienten oder nicht kommerzielle Dritte würde eine unbürokratische Lösung darstellen. Es würde nicht nur das Problem lösen, dass Cannabis als Medizin zu teuer ist, sondern auch die Versorgung sichern, da dies der Markt mit seinen erheblichen Lieferproblemen derzeit nicht leistet.

Immer, wenn ich über Cannabis nachdenke, fällt mir dieses Bild vom amerikanischen Präsidenten Obama ein, der nach geltendem Recht in seiner Dienstvilla Cannabispflanzen ziehen darf oder es sich in Washington kaufen könnte. Ich plädiere dafür, dass die deutsche Bundeskanzlerin ebenfalls dieses Recht besitzen sollte. Der Tag, an dem Angela Merkel und Barack Obama zusammen kiffen, wird ein freudiger Tag für die Welt sein!

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